Ursprünge

DER TANZ VON SEINEN FRÜHANFÄNGEN BIS HEUTE

Der Frühmensch zeigte in seinen Symbolen das „Eins-Sein mit der Welt“, aus denen sich Mythen und Rituale formten und Tanz, Körper und Psyche als Einheit verstanden wurden. Durch Rituale und den damit verbundenen Bewegungen wurden nicht nur die Bande zwischen den Mitgliedern der Gemeinschaft gestärkt, der Freude und dem Vergnügen Ausdruck verliehen, sondern auch das Leben gepriesen. Die Menschen versuchten aus dem Rätsel der Existenz, vor allem Geburt und Tod zu verstehen. Durch Bewegung und Tanz wurde die Sehnsucht ausgedrückt, über sich selber hinauszuwachsen und sich dem Göttlichen zu nähern. Das Gebet wurde als etwas Allumfassendes verstanden, bei dem der Mensch seinen Emotionen und Gefühlen keine Grenze setzte.

Eine professionelle Tänzerin tanzt meistens „Raqs schaki“, welcher indische, persische, türkische und auch westliche Ballettelemente in sich aufgenommen hat. Bis auf den heutigen Tag gibt es den Beruf der Solo-Tänzerin. In der arabischen Welt ist die orientalische Tänzerin an gesellschaftlichen Anlässen wie Hochzeiten, Beschneidungsfeiern und anderen Festen nicht weg zu denken. Auf öffentlichen Strassen hingegen, wie sich die Berufstänzerinnen früher zeigten, ist der Tanz für Frauen Tabu. Im Laufe der neuen Islamisierung des Landes haben Tänzerinnen auch gesellschaftlich einen schweren Stand und werden kaum als Künstlerinnen anerkannt. Der orientalische Tanz entwickelt sich aufgrund der eher politisch-religiösen Entwicklung in Ägypten in den letzten vierzig Jahren auch im Westen stetig weiter. Heute werden Fusionen zwischen Hip Hop, Andalusisch, modern und neuerdings Tribal (eine Fusion zwischen Hip Hop und Beduinentanz) in jedem Tanzstudio angeboten. Bühnendarbietungen sind in allen Variationen und auf der ganzen Welt zu sehen.

Die arabische Musik hat eine lange Tradition. Sie entstand an den Höfen der Dynastien des islamischen Weltenreichs und erlebte ihre Blütenzeit vom 7. Jahrhundert bis zum Fall Bagdad im 13. Jahrhundert. Die arabische Musik ist primär melodisch bestimmte Kunst. Die Melodien werden aus einer grossen Vielzahl von Melodiequellen, den so genannten Maqamat gebildet. In den arabischen Musikschriften sind 52 Maqamat belegt, von denen mindestens zwölf häufig verwendet werden. Diese Melodiemodelle enthalten mehr Töne pro Oktave als die westliche Tonleiter und weisen auch wesentlich kleinere Intervalle auf. Der Klang der arabischen Musik wird von der Melodie beherrscht, was dem Musizierenden eine äusserst nuancierte Vortragsweise ermöglicht und grossen Spielraum für kreative Improvisation gibt. Charakteristisch sind ausserdem durchgehende und oft komplizierte Verzierungen. Die rhythmische Struktur arabischer Musik ist ebenfalls sehr komplex. Ein Rhythmuszyklus hat gewöhnlich bis zu 48 Taktschläge und enthält mehrere teilbetonte „Tum“ und betonte „Tak“ sowie Pausen. Das Beherrschen dieser Melodie- und Rhythmussysteme ist eine Voraussetzung für das Komponieren und Vortragen arabischer Musik. Die Art und Weise wie ein Musiker improvisiert, hängt von der Resonanz des Publikums ab (Musikseminar Arabic Music moves West, Schweizer Radio DRS, Marianne Berna 2001).
Musik und Kompositionen aus Kairo, z.B. Abdel Wahab, um Kalthum und Farid el-Atrahe, haben die ganze arabische Welt beeinflusst.